Native Advertising

Offenbar hat man im Onlinemarketing auch endlich verstanden, dass, um Werbung zu verkaufen, das Kind einen hübschen Namen braucht. Native Advertising jetzt also. Hört sich ja auch besser an als Advertorials. Muss aber auf Englisch, weil „Echte Werbung“ sich nicht so richtig sexy anhört.

So richtig einig, was genau das nun sein soll, ist man sich aber nicht. Ein sehr kurzer Wikipedia-Artikel zum Begriff – wie in diesem Fall – ist immer ein guter Indikator dafür, dass es sich eher um ein Buzzword als einen neuen Trend mit Substanz handelt.
Aber packen wir die Zynismuskeule erst mal wieder ein und schauen uns an, worum es bei Native Advertising gehen soll.
Ich stehe Werbung in ihrer stumpfen Form von Bannern und Werbesprech ziemlich kritisch gegenüber. Ja, ich arbeite selbst in der Kommunikationsbranche. Aber ich habe nie aufgehört, an echte Kommunikation zu glauben. Deswegen war ich recht begeistert, als sich eine Entwicklung namens Content Marketing abzeichnete: Durch Inhalte, die dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten, findet er auf natürlichem Wege (also über Google) von selbst die Lösung für ein Problem oder Bedürfnis. Ein Inbound-getriebener Ansatz also. Charmant natürlich, weil der der Werbung stets anhaftenden Stallgeruch der Manipulation entfällt.
Native Advertising erscheint mir in dem Zusammenhang als konsekutive und logische Entwicklung der Werbung als Bestandteil des Marketing. Es geht im Wesentlichen um Inhalte. Die Paid Posts bei Facebook funktionieren schon immer so und sind das Paradebeispiel. Es hat erstaunlich lange gedauert, bis auch andere Plattformen das Prinzip übernommen haben. Letztlich ist Native Advertising nichts anderes als die Digitalisierung des Advertorials und als Paid Media-Teil des Content Marketings einzuordnen. Paid Search ist dann die zugehörige Kurzversion. Zu den Hintergründen und Implikationen findet sich bei t3n ein guter Artikel, den ich hier nicht noch mal abschreiben werde.
Ja, eine Native Ad-Kampagne wird wesentlich teurer als die klassischen Banner. Schließlich muss ein Mindestmaß von sprachlicher Kreativität und Zeit investiert werden. Gute Inhalte sind nicht billig. Gleichzeitig dürfte der CTR erheblich höher liegen, mindestens im unteren zweistelligen Bereich. Damit relativieren sich Kosten.
Auch wenn wir mal wieder munter Trends aus den USA kopieren und trotz der typisch deutschen Unkenrufe, sehe ich hier tatsächlich ein Weiterentwicklung von Werbung. Geschichten erzählen. Qualität statt Quantität. Das wär mal was.

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