Kunde, geheiligt seien deine Bedürfnisse

Ich arbeite in etwa bis halb sieben und bin gegen sieben zu Hause. Ich wohne in einem schicken Stadtviertel in Frankfurt, vergleichbar mit dem Prenzlauer Berg in Berlin. Will ich auf dem Heimweg einkaufen, habe ich ein Problem. Sicher, die Supermärkte haben bis 10 geöffnet. Will ich jedoch nur Brot oder Bücher kaufen, muss ich mir was einfallen lassen.


Der Einzelhandel hier schließt spätestens um sieben die Türen. Ich habe keine Lust, meine Mittagspause mit Besorgungen zuzubringen. Ich will entspannt nach der Arbeit einkaufen. Ich würde dann übrigens auch mehr Geld ausgeben. Dann eben nicht.

Nur ein Beispiel: Ich möchte Kontaktlinsen kaufen. Gib den Fielmanns dieser Welt eine Chance, denke ich mir. Grundsätzlich ein High-Interest-Produkt: hoher Beratungsbedarf und wiederholter Kauf im Gegensatz zu einer Brille. Der einzige Optiker, der noch geöffnet hat (bis 19.30!), will mir ein Konkurrenzprodukt meiner bisherigen Marke verkaufen, zum mehr als doppelten Preis. Ich gebe auf und bestelle über das Internet. Einzelhandel adé.

Ich bin Teil eurer kaufkräftigen Lieblingszielgruppe, ich bin ein Convenience Shopper. Ich bin bereit, ein treuer Kunde zu sein, weil ich keine Lust habe, dem größten Schnäppchen hinterherzujagen. Ich möchte umhegt und beraten werden, ich möchte es bequem. Warum macht ihr es mir so schwer?

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