Ein Tag offline oder digitales Fasten

Nach 2 Tagen krank und diesem Blogpost dachte ich mir, probier ich aus. Ich weiß, es wird hart, aber ich brauch mal einen Tag Pause. Ich kann ja eh kaum reden und bin zu schlapp für lustigen Freizeitspaß.

Gleich vorab: Das wird nichts in Richtung Kultur- und Medienkritik. Vielmehr interessiert mich, wie sich mein persönliches Kommunikationsverhalten geändert hat.

Nach einer kurzen Warnung an den Bekanntenkreis (über Facebook natürlich), wird das mobile Netz deaktiviert.

Die erste Stunde

Gut, dass ich für die S- Bahnfahrt eine Zeitung dabei habe. Beim kurzen Rundumblick fällt auf, dass die Menschen, die nicht in Gruppen unterwegs sind, entweder vor sich hin oder in ihr Smartphone starren. Bücher waren mal.

Der Reflex, eben mal Mails abzurufen (Es könnte in der letzten Viertelstunde ja eine immens wichtige Mail gekommen sein.) oder bei Facebook vorbei zu schauen (Wer weiß, was da gerade alles passiert!) ist groß. Aber ich widerstehe.

Erste Problemstellung dann: Kein Internetradio. Okay, damit kann ich leben. Schwieriger ist schon, die Telefonnummer vom Friseur herauszubekommen, um einen Termin auszumachen. Verschieb ich das halt auf Montag.

Mal eben schauen, wann noch mal dieses Stück im Theater läuft (ja, das wollte ich wirklich!): Verschoben.

Aber nach den ersten Stunden stellt sich Entspannung ein und ich höre die Ruhe.

Hallo, ist da noch wer?

Praktischerweise ist mein internetfreier Tag ein Samstag. Zum Mittag bei Oma kann ich mich per Telefon verabreden, zum Spazieren am Nachmittag per SMS. Am Abend ein längeres Telefonat und einige SMS. Damit wären meine Sozialkontakte an dem Tag auch zusammen gefasst. Allen reden nur über Whatsapp oder Facebook mit mir. Das fällt ja aus. Zwischendurch fühle ich mich doch ein bisschen alleine auf meinem Sofa.

Aber: Ich fühle mich entspannt. Ich schaffe es endlich, die Zeitung zu lesen. Ganz. Von vorne bis hinten. Ich lese in einem Buch. Es zuckt ein paar Mal in meinem Finger, als ich mal eben was googlen will. Geht aber auch vorbei.

Ich zögere es am nächsten Tag sogar noch ein bisschen hinaus, das WLAN-Einschalten. Nur 26 Mails. Und keine wirklich wichtig. Auf Facebook und bei Twitter und Co. ist auch nichts richtig Aufregendes passiert. Na sowas. Fühlt sich trotzdem gut an, wieder digital zu leben, ein bisschen wie nach Hause kommen.

Wenig überraschend: Der Großteil der Kommunikation findet inzwischen digital statt. Das ist auch völlig okay kann förderlich sein. Natürlich gibt es eine Studie dazu. Es ist eher der Kommunikationsdruck, aber auch die Kommunikationssucht, von dem ich mich einen Tag befreit habe. Nachrichten über Messenger oder Facebook wollen schneller beantwortet werden. Schließlich hat der Absender ja schon gesehen, dass ich sie gesehen habe…

Tief durchatmen, mal ne halbe Stunde was anderes machen und dann ist wieder gut. Es hat Spaß gemacht, der internetfreie Tag. Ich probier das wieder. Aber höchstens für einen Tag. Mehr muss nicht sein. Und jetzt geh ich erst mal lesen.

 

 

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