BILD meets Babel

Die Kommunikation einer Ausstellung inklusive gestalterischer Umrahmung stelle ich mir als spannende Aufgabe vor. Ein prominenter Ausstellungsort. Ein spannendes Ausstellungskonzept. Und natürlich ein moralisch einwandfreies Topoi. Kommunikation für Kultur. Gute Voraussetzungen für eine Agentur.

Nun ist es schon längst nicht mehr so, dass Museen staubtrockene, leere Flure mit ein paar Vitrinen und einzelne verirrte Besucher beherbergen. Ausstellungen werden didaktisch intelligent konzipiert, zur Geschichte werden Geschichten erzählt. Zudem wird mehr Geld für Werbung und PR locker gemacht. Mit Erfolg, wie man bei „MoMA in Berlin“ oder bei den Franzosen in der Nationalgalerie gesehen hat. Rekordbesuchermengen und schwarze Zahlen unterm Strich.

Ähnlich wird es Babylon. Mythos und Wahrheit ergehen. 800 Exponate zum Thema Babylon. Grundsätzlich nicht aufregend. Dementsprechend langweilig kann die Kommunikation aussehen, z.B. für die vorherige Station in Paris.

Es geht aber auch anders. Knallig, Themen, die interessieren, Schlagworte wie sie BILD nicht besser titeln könnte: Gott, Hure, Sünde. Knallig dazu auch die Farben. Schlicht die Typo. Die Handschrift von MetaDesign Berlin ist deutlich zu erkennen. Was wundert es, sind sie doch beim Altbewährten geblieben und haben den Look, der schon bei MoMA in Berlin funktionierte, einfach abgewandelt.

Solide Arbeit, Rundum-Kommunikation: Werbung im Radio, reihenweise Artikel und Berichte, eine immerhin mittelmäßig gut programmierte Website, umfangreiche Veranstaltungen und Kinospots. So dürften sich neben der touristischen Laufkundschaft auch etliche Berliner auf der Museumsinsel einfinden. Das zumindest lassen die eindrucksvollen Besucherzahlen vermuten, die zum Ende hin rasant steigen werden, trotz der stolzen Eintrittspreise.

Alles in allem bin ich etwas widerwillig durchaus beeindruckt. Lediglich der Souvenirshop ließ mich fragend zurück: Braucht man wirklich Babylon-Bier? Was haben bedruckte Schwimmflügel mit der Wüstenstadt zu tun?

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